Ich renne, renne, renne
by Samiya Simperl (2006) Gisela-Gymnasium, München/Germany on 2018-12-26



Ein Feature von Samiya Simperl (links) & Antonia Sandbank (rechts), Schülerinnen der Klasse 7d des Gisela-Gymnasiums München. Im Rahmen des Workshops „Flucht & Heimat“, der vom 22. bis 24. Oktober 2018 am Gisela-Gymnasium durchgeführt wurde und mit dem ein ganzjähriges Gemeinschaftsprojekt des Oberstufenensembles des k25 Theaters und trait d’union zu diesem Thema begann, interviewten Antonia und Samiya die Psychotherapeutin Gisela Framhein, die viele Jahre bei Refugio München, einem Therapiezentrum für traumatisierte Flüchtlinge und Folteropfer, aktiv war. Im Anschluss an das Interview verfassten die beiden den folgenden Text.    

        

Flucht

 

Alle rennen, selbst in der Nacht,

Weil ihnen jemand das Leben schwer macht.

Keuchen, nach Luft schnappen, schnaufen,

Selbst ein ganzes Land durchlaufen.

Alles ist auf der Flucht,

Da es eine neue Heimat sucht.

Angst, Verzweiflung, Tränen fließen,

Werden von einem Land in das andere gewiesen.

 

Angst, Verzweiflung, Trauer, Abschied, Krieg, Neues, Veränderungen, an all das denken Menschen, wenn sie das Wort Flucht hören. Eine Reaktion auf Gefahren, ein eiliges, manchmal auch heimliches Verlassen der Heimat. Das Internet meint, dass das die Flucht sei. Weltweit gibt es 51 Millionen Flüchtlinge, 33 Millionen von ihnen sind Binnenflüchtlinge, die in ihrem eigenen Land auf der Flucht sind. 

Viele hoffen auf ein neues Leben nach der Flucht, doch oft werden ihre Erwartungen schwer enttäuscht. Neben vielen ehrenamtlichen Helfern und Leuten, die spenden, gibt es auch Menschen, die Flüchtlingen das Leben schwer machen wollen, damit sie wieder zurück in ihr ursprüngliches Land zurückkehren. In Deutschland dürfen Flüchtlinge in den ersten neun Monaten nicht arbeiten und danach nur, wenn kein Deutscher und kein EU-Bürger den entsprechenden Job haben will.  Außerdem haben sie nur Anspruch auf 6 qm Wohnfläche und müssen sich kleine Räume monatelang mit circa sieben Menschen teilen. Diese Leute müssen auch oft zittern, da es jeden Tag heißen kann, dass ihr Asylantrag nicht genehmigt wurde. Sie können oft nicht schlafen, weil in der Früh die Polizei kommt, um Flüchtlinge zur Abschiebung zu holen.  

Doch wie geht es wirklich den Leuten, die fliehen mussten? „Viele sind traumatisiert, sehen überall schlimme Dinge, die sie erleben mussten“, sagt Gisela Framhein, die lange Zeit als Psychotherapeutin bei Refugio München, einem Therapiezentrum für traumatisierte Flüchtlinge und Folteropfer gearbeitet hat.  

„Am besten kann man ihnen helfen, indem man einfach viel Zeit mit ihnen verbringt. Ich habe lange Zeit mit einer Afghanin gearbeitet. Ich habe viel über ihre Kultur gelernt und auch versucht, ihr Dinge über die deutsche Kultur beizubringen. Mit der Zeit hat sich wirklich so eine Art Freundschaft entwickelt“. So Dr. Cornelia von Schelling, die sich ebenfalls bei Refugio engagiert.     

Es ist zwar nicht die leichteste Aufgabe, jeden Tag vom Leid anderer Menschen zu hören, doch zu sehen, wie es den Leuten, insbesondere den Kindern, allmählich besser geht, macht so einen Einsatz zu etwas ganz Besonderem. Frau Framhein berichtet: „Einmal hatte ich ein ziemlich kleines Mädchen, das war so ungefähr fünf Jahre alt, als Patientin. Als sie mit ihrem Vater kam, hat sie nur geschrien und geweint. Nach circa zwei oder drei Jahren habe ich mit ihr im Sandkasten gespielt. Sie hat dann ein kleines Dorf gebaut, das von einem Soldaten angegriffen wurde. Doch das Dorf wurde von einem Dino beschützt und rundherum lagen lauter bunte Kugeln. Als ich sie fragte, was die Kugeln darstellen sollten, meinte sie, das sei der Nachwuchs von dem Dino, damit das Dorf immer genug Beschützer hat“.